Mediale
Praxis und Medienethik
Medienethik aus der Sicht von Medienpraktikern und Theoretikern - Das
"Anwendungs- oder Umsetzungsproblem" der Medienethik
Call
for Papers
für
die gemeinsame Jahrestagung des
Netzwerk
Medienethik
und
der DGPuK Fachgruppe
Kommunikations-
und Medienethik
am
Donnerstag, 17. und Freitag, 18. Februar 2005
in
München (Hochschule für Philosophie)
Termin
für die Einreichung von Vorschlägen:
17. November 2004 (siehe unten)
Das Theorie-Praxis-Problem
stellt sich in vielen Handlungswissenschaften - in der Pädagogik,
der Medizin, in der Publizistik- und Kommunikations-wissenschaft. Was
im Studium an orientierenden und zur Reflexion anregenden Konzepten
und Fragestellungen gelernt wurde, ist im Praxisfeld nur schwer zu erkennen.
Und wenn, dann taucht es in einem ganz anderen "Gewand" auf.
Medienethische
Fragestellungen haben offenbar besonders unterschiedliche Gewandungen.
So haben manche Medienpraktiker, die durchaus aufgeschlossen sind für
ethische Fragestellungen, bei der Lektüre von medienethischen Abhandlungen
den Eindruck, hier sei von etwas ganz anderen die Rede also von den
moralischen Anfragen und Entscheidungen ihres Berufsalltags.
So stellen
sich grundsätzliche Fragen:
- In welchen
konkreten Handlungszusammenhängen benötigt man im Alltag
der Medienpraxis überhaupt Ethik?
- Werden
Probleme, die ethischer Natur sind, überhaupt als ethische erkannt?
- Welches
Verständnis von Ethik haben Praktiker im Unterschied zu Theoretikern?
Orientieren sich die Maximen beider an anderen Bezugsgrößen
und Eckpunkten?
Diese "Kluft"
zwischen theoretischer Behandlung und der Anwendungs- oder Ursprungssituation
von Medienethik wahrzunehmen, zu analysieren und konstruktive Lösungswege
aufzuzeigen, ist Ziel des Jahrestreffens 2005.
Neben etwas
längeren Plenumsreferaten und kürzeren Referaten in thematischen
Panels sind gemischt besetzte Podiums-Diskussionen geplant, in denen
Praktiker und Theoretiker mit Erfahrungen und Lösungsvorschlägen
ausführlich zu Wort kommen.
Dieser
Call for Papers fordert daher nicht nur zu Meldungen für Referate
auf, sondern auch zu Vorschlägen für die Besetzung und Moderation
dieser Podien.
Meldungen
sollen möglichst folgenden fünf Fragebereichen zugeordnet
werden:
1. Qualität
und/vs. Ethik:
In der Forderung nach Medien-Qualität stecken zweifellos auch medienethische
Fragestellungen. Aber lässt sich Ethik auf die Qualitätsdebatte
beschränken? Wird z.B. nur auf handwerkliche Qualität und
Quoten/Verkaufbarkeit geachtet oder auch auf ethische Qualitäten?
Worin bestehen letztere im Unterschied zu den ersteren?
Kann praktizierte Ethik sich als relevantes Qualitätskriterium,
als Teil des Profils einer Zeitung herausstellen? Kann sie dann zum
Unterscheidungskriterium werden um sich von der Konkurrenz abzuheben?
2. Institutionalisierung
in Medienunternehmen:
Gibt es in Medienunternehmen, welche aufgrund der gegenwärtigen
Konzentrations- und Konvergenzentwicklungen besonders komplexe Organisationen
sind, institutionalisierte Vorkehrungen, um ethische Orientierungen
zur Anwendung zu bringen? Beispiel Planung neuer Medienformate (z.B.
in der TV-Unterhaltung): An welcher Stelle und mit welchem Effekt werden
ethische Überlegungen angestellt; welche Chance und welche Funktion
haben sie? Beispiel Berufskodizes und Redaktionsstatute: Inwieweit wird
auf die Kenntnis von ausformulierten Grundsätzen wert gelegt; Welches
"Ansehen" haben sie? Inwieweit sind sie in die organisationellen
Ziele und Normkataloge integriert?
3. Praktizierte
Ethik in den Selbstkontrollgremien:
Funktioniert der Selbstkontrollmechanismus in klassischen Gremien wie
Presserat, in neueren wie der Kommission Jugendmedienschutz oder der
Multimedia Selbstkontrolle? Was fehlt dem Kontrollmechanismus aus ethischer
Perspektive? Welche Anfragen lassen sich z.B. ein Jahr nach der Neuregelung
des Jugendschutzes stellen? Welche Problemlagen gibt es bei Computerspielen
(Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia Diensteanbieter)?
4. Bildethik:
Inwieweit ist der Umgang mit Bildern schon als ethisch relevant erkannt?
Wie ist dabei das Verhältnis von Text und Bild anzusetzen - Sind
Bilder das Auswahlkriterium oder Beiwerk für Beiträge? Wie
lassen sich die inzwischen (z.B. vom Presserat) formulierten Regeln
für Quellengabe, Bildbearbeitung usw. ethisch begründen? Inwiefern
wird die Kennzeichnungspflicht von bearbeiteten Bildern in der Praxis
eingehalten? Ist die Jagd nach sensationellen Bildern oder solchen,
die nur rein ästhetischen Kriterien gehorchen, mit ethischen Normen
und Werten kompatibel?
5. Ethische
Reflexion journalistischer Fehlleistungen:
Gibt es die Wandlungen "vom Saulus zum Paulus" auch im Journalismus
- Erfahrungsbericht(e) von ethisch Gestrauchelten?
Welche Konsequenzen ergeben sich für die Journalistinnen und Journalisten
durch das europäische "Caroline-Urteil" für ihre
konkrete Arbeitspraxis?
Welche Rolle spielen ethische Überlegungen beim Umgang mit PR-Material
als Nachrichtenquelle? Welche Fälschungen und Plagiate (Bild- und
Textfälschungen) werden aus welchen Gründen als nicht akzeptabel
angesehen?
Die Tagungsbeiträge
(Referate oder Vorschläge für die Moderation und Zusammensetzung
eines Podiums) sollen sich mit mindestens einem der fünf genannten
Themenschwerpunkte beschäftigen. Dabei sind theoretisch-systematische
Studien ebenso willkommen wie Beiträge aus der empirischen Medienforschung
und aus der journalistischen Praxis. Plenarvorträge und Referate
sollen 30 Minuten nicht überschreiten.
| Vorschläge
sind zusammen mit einem Abstract (max. 500 Worte) bis zum
17.
Nov. 2004
in elektronischer
Form (*.doc; *rtf Attachment)
beim
Sprecher des Netzwerkes (der wegen der Erkrankung von Bernhard
Debatin auch Kommissarischer Sprecher der Fachgruppe ist)
Rüdiger
Funiok (ruediger.funiok@jesuiten.org)
und
gleichzeitig beim kommissarischen stellvertretenden Sprecher
der Fachgruppe
Christian
Schicha (schicha@t-online.de).
Die Abstracts
sollen neben einer Inhaltsangabe des geplanten Vortrages den Bezug
zum Tagungsthema, sowie Relevanz und Originalität der eigenen
Fragestellung verdeutlichen, damit eine inhaltlich sinnvolle und
zugleich faire Auswahl der Beiträge getroffen werden kann.
Die ausgearbeiteten
Manuskripte der Vorträge sollen eine Woche vor der
Tagung dem Sprecher der Fachgruppe bzw. dem Vorsitzenden des
Netzwerkes vorliegen.
Aus der
Tagung soll eine Veröffentlichung hervorgehen. Ein
Referat ist jedoch keine Veröffentlichungsgarantie. Bei
der Auswahl für die Veröffentlichung werden hohe Ansprüche
an Qualität und Form der Beiträge gestellt.
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Call for Papers der Jahrestagung 2004
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2003
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2002
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